Leipzig ist Namensgeberin der Charta der Europäischen Union zur nachhaltigen europäischen Stadt und als Stadt ein für Forschung und Praxis herausragendes Beispiel für die Teildisziplin Stadterneuerung in der Planungswissenschaft. Die Stadt hat in den letzten 30 Jahren mehrere Phasen der Quartiersentwicklung durchlebt: Sanierung und „Rettung“ von denkmalgeschützten Häusern – Abriss und Entdichtung – Ausbau und Erneuerung der Verkehrsinfrastruktur – Ausbau und Erneuerung der sozialen Infrastruktur – Ausbau der Freizeit- und Grünflächen. Ausgangspunkt dieses Bands war das Seminar „Nachverdichtung in Leipzig, Umkehrung oder Weiterentwicklung der Stadterneuerungs- und Stadtumbaujahrzehnte der wachsen Metropole in Ostdeutschland?“, welches sich der Nachverdichtungsfrage aus der Perspektive der Stadterneuerung genähert hat. Nach jahrelang anhaltendem Bevölkerungsverlust und einem prägendem Strukturbruch verzeichnet die Stadt Leipzig in den letzten Jahren ein stetiges Bevölkerungswachstum und steht nun nicht mehr vor der Herausforderung der Schrumpfung, sondern vor einer zunehmenden Wohnungsknappheit. Neben Nachverdichtung und Lückenschluss der stark nachgefragten Gründerzeitviertel sowie Reaktivierung und Neustrukturierung von Brachflächen, bieten auch die aus der DDR stammenden Großwohnsiedlungen Chancen für das Wachstum der Stadt.
Dieser Bericht befasst sich mit den Möglichkeiten der Nachverdichtung in der Großwohnsiedlung Grünau. Wie kann Nachverdichtung mit Einbezug einer behutsamen Weiterentwicklung qualifizieren, um dem Wohnraumbedarf in Leipzig gerecht zu werden? Welche Rolle spielt die Nachverdichtung in einer Großwohnsiedlung, die in den vergangen Jahrzehnten massiv rückgebaut wurde? Welche Leitlinien müssen bei einer möglichen Nachverdichtung beachtet werden und welchen Beitrag kann die Großwohnsiedlung Grünau für den Wohnraumbedarf der Gesamtstadt liefern. Weitere Beiträge kontextualisieren die Themenbereiche der Nachverdichtung in Leipzig, blicken aber auch allgemein in ostdeutsche Großsiedlungen bzw. Nachverdichtungsprojekte in diesen.
Dezember 2024
doi:10.17170/kobra-2024121110744