Veröffentlichungen

Neue Suburbanität? Stadterweiterung in Zeiten der Reurbanisierung

Nach einer starken Phase der Reurbanisierung verändern sich sowohl die fachlichen Debatten als auch die Stadtentwicklungspraxis wieder hin zu einer verstärkten Bautätigkeit am Stadtrand. In mehreren deutschen Großstädten entstehen neue Stadtteile für bis zu 10.000 Menschen. Veränderte Lebensstile, Haushaltsstrukturen und Arbeitsmärkte, die Ausdifferenzierung von Wohntypen und Trägerformen sowie die Infragestellung klassischer »Schlafstädte« bringen dabei neue Formen von Suburbanität hervor. Die Beiträge untersuchen diese neuen Stadtteile und fokussieren dabei auf Milieus, stadt- und freiraumplanerische Leitbilder, Quartierstypen, Governancearrangements und Umsetzungsstrategien.

April 2024
ISBN: 978-3-8394-6331-4

Natur in der Neuen Suburbanität

Unter dem Schlagwort Neue Suburbanität werden Siedlungserweiterungen, die einen städtischen Charakter aufweisen sollen, an Stadträndern von Großstädten diskutiert und entworfen. Zugleich wird über Formen der Mensch-Naturbeziehungen auch in Städten diskutiert und sie sollen z. B. hinsichtlich des Klimawandels, der Lebensmittelversorgung, Biodiversität und Pädagogik bei Neubausiedlungen berücksichtigt werden. Daher untersucht diese Studie exemplarisch an neueren Siedlungserweiterungen am Stadtrand Hamburgs, welche Bedeutung der Mensch-Naturbeziehung in den letzten 50 Jahren von der Stadtplanung zugemessen wurde und in welchen Formen es baulich realisiert werden sollte. Dabei wird der Grünplanung von Seiten der Stadtplanung eine zentrale Funktion zur Darstellung der gewünschten Mensch-Naturbeziehung zugewiesen. Anhand von Diskursanalysen stadtplanerischer Dokumente und einer Geländebegehung der realisierten Siedlungen konnten sowohl die Leitbilder für Mensch-Naturbeziehungen herausgestellt als auch die Bewährung bestimmter stadtplanerischer Entwürfe und deren Folgen untersucht werden. Ausgewählt wurden Untersuchungsräume in den Siedlungserweiterungen von Neuallermöhe West und Ost sowie die noch nicht realisierten Planungen zu Oberbillwerder.
Die moderne Stadt- und Grünplanung wird von dem städtebaulichen Leitbild einer landschaftlichen Stadt begleitet, das im Widerspruch zur Forderung einer kompakten Stadt steht, die mit der neuen Suburbanität realisiert werden soll. Dieser Widerspruch offenbarte sich sowohl in den realisierten Siedlungserweiterungen als auch in dem Masterplan für Oberbillwerder. In der Analyse zeigten sich Kontinuitäten, die als Verfeinerung der bisher in der Stadt- und Grünplanung verfolgten Mensch-Naturbeziehung zu verstehen sind. Insofern hat sich die Qualität der Grünplanung in der neuen Suburbanität nicht verändert, die Quantität schon.

September 2022
Sammlung: Forschungsverbund Neue Suburbanität – Diskussionspapiere
03/22

Die Bahn als Treiber der Siedlungsentwicklung?

Im schienengebundenen Nahverkehr sind Doppelstockzüge als schnelle Regionalexpresslinien erfolgreich in der Bewältigung des Stadt-Umland-Verkehrs sind – so erfolgreich, dass auch sie an ihre Kapazitätsgrenzen geraten. Die Pendlerströme richten sich an ihnen aus, sodass die Lagegunst einer Kommune an dieser Strecke hoch ist. In Brandenburg hat das dazu geführt, dass neben den ‚klassischen‘ Umlandgemeinden auch Städte der sogenannten Zweiten Reihe von Zuzügen aus Berlin profitieren – aber nur, wenn sie am RE liegen. Der Artikel geht der Frage nach, inwieweit diese Entwicklung auf ein Zusammenspiel von Raumordnung und Bahnverkehrsplanung zurückgeht oder ob – so die These des Artikels – sich im Grunde genommen raumordnerisch die Bahnplanung nur nachvollziehen lässt.

Dezember 2021
Sammlung: Forschungsverbund Neue Suburbanität – Diskussionspapiere
02/21

Genderverhältnisse und (suburbaner) Raum – Wechselwirkungen, Wandel und Rolle der Planung

Raum, Gesellschaft und die Geschlechterverhältnisse innerhalb einer Gesellschaft prägen und konstituieren sich gegenseitig. Davon ausgehend sind auch Planung und Gestaltung der gebauten Umwelt nicht „neutral“, sondern werden vielmehr genderspezifisch unterschiedlich wahrgenommen und haben unterschiedliche Auswirkungen. Kritische und feministische Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen bemängelten schon in den 1970er Jahren, dass Stadtplanung und Architektur die Bedürfnisse von Männern – gemeint sind insbesondere weiße, über einen eigenen PKW verfügende, erwerbstätige und von Sorgearbeit befreite männliche Personen ohne signifikante körperliche Einschränkungen – in den Mittelpunkt stelle. Der Raumtypus des monofunktionalen suburbanen Wohnquartiers, der durch seine Ausstattung, Lage und schlechte Erreichbarkeit die Erwerbstätigkeit und Entfaltungsmöglichkeiten von Frauen behindere, stand besonders stark in der Kritik. Dieser Text gibt einen Überblick über die Entwicklung der gendersensiblen und feministischen Planungskritik seit den 1970er Jahren sowie eine Annäherung an bisherige und aktuelle planerische Reaktionen darauf. Er präsentiert eine Liste von Handlungsfeldern und Maßnahmen des gendersensiblen Planens, die vorbereitend für eine geplante Analyse von Stadterweiterungsmaßnahmen in deutschen Großstädten entstanden ist.

Juni 2021
Sammlung: Forschungsverbund Neue Suburbanität – Diskussionspapiere 
01/21